Zugang zu Boxengasse, Rennstrecke, Media-
Center…Teil 2
Der Mai kommt gleich mit einem ganzen Schwung von
Rennen – drei Schauplätze für die gemeinsamen FIA
GT/WTCC Läufe und etwas ganz Spezielles, die 24
Stunden vom Nürburgring.
Die FIA-Rennen finden in Magny Cours, Silverstone und
Imola statt. Alles aktuelle Formel 1 Strecken, die im starken
Kontrast zur 24 Stunden Dauer auf der 22 Kilometer
langen Nordschleife des Nürburgrings stehen, die zuletzt
1976 im Grand-Prix-Zirkus genutzt worden ist. Jeder dieser
Schauplätze birgt verschiedene Herausforderungen und
Möglichkeiten.
In einer früher eher unbekannten Gegend von Frankreich
findet heute – dank des politischen Einflusses des früheren
französischen Präsidenten Mitterand - der älteste Grand
Prix statt. Man nehme ein paar Hektar Grünfläche, gebe ein
paar regionale und nationale Entwicklungszuschüsse hinzu
und Voilà – schon kann das Rennen beginnen. Es gibt
mittlerweile sogar eine Ausfahrt von der Autobahn, um die
Anreise von Paris zu beschleunigen. Die Rennstrecke, die
von einigen abgelehnt wird, bietet einige hervorragende
Blickwinkel für Fotografen – auf jeder Strecke mit einer
Haarnadelkurve am Ende einer langen Geraden können Sie
viele Überholvorgänge erwarten.
Tipp: Machen Sie also Ihre Hausaufgaben, wenn Sie
Motorsport fotografieren. Analysieren Sie die Strecke und
ihre Kurven, schauen Sie sich die Zusammensetzung des
Starterfeldes an, und entscheiden Sie, wo und wann man
Action erwarten kann. Veranstaltungen wie
Tourenwagenrennen haben mehrere Läufe mit
umgekehrter Startreihenfolge im zweiten Rennen. Das ist
normalerweise der beste Zeitpunkt, die schnellsten Wagen
dabei aufzunehmen, wie diese sich durch das Feld
arbeiten.
Silverstone ist mit seinen weiten Auslaufzonen und
Kiesbetten typisch für eine moderne Formel 1 Strecke, was
für den Fotografen eine Reihe von Problemen mit sich
bringt. Da ist z.B. der große Abstand zwischen Fotograf
und Strecke, was leicht dazu verführt, Telekonverter oder
billige Teleobjektive einzusetzen (Ich vermute, dass nicht
jeder sofort losläuft, um für gelegentliche Rennbesuche ein
erstklassiges 600 mm Objektiv zu kaufen!). Ich bin kein
Freund von Telekonvertern, da diese für eine schlechtere
Bildqualität sorgen, als Ihre Kamera eigentlich ermöglichen
würde. Das gleiche gilt für billige Teleobjektive. Solche
Lösungen bremsen auch die Geschwindigkeit des
Autofokus, der bei vielen Kameras zur Ausstattung gehört.
Gute Bildqualität ist das Ergebnis verschiedener Faktoren,
und gutes „Glas“ ist ein grundsätzlicher Schritt, um gute
Fotos zu machen. Es gibt andere Wege, gute Bilder zu
produzieren.
Tipp: Digitalkameras der “Prosumer-Klasse” wie sie z.B.
von Canon und Nikon angeboten werden, erzeugen große
Dateien direkt aus der Kamera – vor allem wenn Sie als
Dateiformat „RAW“ auswählen. Machen Sie Bilder also mit
Ihrem besten Objektiv, und nutzen Sie Ihre Software, um
Bilder an Ihre Anforderungen anzupassen. RAW-Bilder in
hoher Auflösung zu konvertieren und anschließend
zurechtzuschneiden, um ein gutes Ergebnis zu erhalten,
kann langfristig zu besseren Resultaten führen als
Konverter etc. StudioLine ist in der Lage, RAW-Bilder zu
konvertieren und die Ergebnisse in Komposition
(Bildausschnitt durch Zurechtschneiden festlegen), Farbe
und Schärfe zu bearbeiten. Diese Software ist ein
wertvolles Werkzeug in der „Waffenkammer“ eines
Digitalfotografen, und die gute Grundausstattung an
Funktionen sorgt für beste Ergebnisse.
Ein anderes Problem, dem Fotografen oft an Auslaufzonen
und Kiesbetten begegnen, ist Hitzeflimmern. Selbst an
kühlen Tagen kann diese Plage auftreten, und die
Aufnahmen eines Tages können leicht ruiniert sein, wenn
man diese Erscheinung nicht aufmerksam beobachtet.
Tipp: Es gibt zwei Lösungen, die Sie ausprobieren können:
Gehen Sie auf eine Tribüne, oder stellen Sie sich auf eine
Bank, und fotografieren Sie die Wagen von oben. So
umgehen Sie auch ein paar der Probleme, die die
Schutzzäune all denen bereiten, die keinen direkten
Zugang zur Rennstrecke haben. Bei Gruppen von Autos
zeigt die erhöhte Position alle Konkurrenten und nicht nur
die ersten paar.
Die andere Lösung ist das Einbeziehen des Flimmerns als
Teil der Komposition, so dass Farben und Formen etc. der
Autos verzerrt werden. Experimentieren Sie – Sie finden
schnell heraus, dass das wirklich gut funktioniert. Eine
Sache, die hingegen nicht funktioniert, ist ein zu starker
Scharfzeichner bei der Bildbearbeitung. Wenn das Licht
verzerrt auf den Sensor trifft, kann das durch keine
Trickserei geändert werden.
In italienischen Imola trifft man wieder auf ganz andere
Anforderungen. Die Rennstrecke liegt in einem Park, so
dass man eher von einem Radfahrer oder Inline-Skater als
von einem Auto überfahren wird.
Der gesamte Kurs ist umringt von Fangzäunen in mehreren
Schichten, und man hat die Tendenz, alles von vorne
aufzunehmen, weil es kaum Raum für Schwenks gibt. Diese
Umstände bedeuten, dass Sie das wertvollste Werkzeug
aus der Kameratasche jedes Fotografen benötigen:
Fantasie.
Tipp: Schauen Sie sich um, statt konventionelle Weisheiten
zu akzeptieren! Gibt es irgendetwas, das man in ein Bild
verwandeln kann? Die Dachterrasse über den Boxen kann
ein guter Platz sein, um einen anderen Blickwinkel auf die
Autos zu bekommen. Gibt es irgendwo rund um die
Strecke, besonders im Zuschauerbereich, einen Punkt, um
etwas Ungewöhnliches zu gestalten? Die Aufnahmen der
Wagen durch die Bäume wurden außen vor einem Café
gemacht, das gerade hoch genug liegt, um einen klaren
Blick auf die Strecke zu erhalten. Die Schutzzäune
verschwinden durch den Schwenkeffekt, und fertig war
eine Aufnahme, die sich verkauft. Mögen mich auch die
alten Hasen unter den Fotografen für verrückt erklärt
haben, ich war ziemlich überzeugt, dass die Ergebnisse
gut sein würden.
Die Nordschleife ist einzigartig – die pure Größe der Anlage
ist schon entmutigend für Fotografen – mehr Rallye-
Spezialstrecke als Rundkurs. Obwohl das Rennen 24
Stunden dauert, ist Planung absolut wichtig, um überhaupt
ein Ergebnis zu bekommen. Das Herumkommen kann ein
logistischer Alptraum werden. Bei 200.000 Leuten, von
denen einige gut ausgeruht sind, muss jeder Ortswechsel
gut durchdacht werden. Ich hatte die Unterstützung eines
Fotografen, der in seinen Ferien als lokaler Briefträger
gearbeitet hat, aber selbst er ging in die Falle. Wir haben
versucht, über einen Schleichweg zum Karussell zu
kommen, um schließlich auf halber Höhe eines Hügels im
Schlamm stecken zu bleiben. Irgendwie haben wir uns aus
dieser Situation befreit, aber es war riskant.
Tipp: Es ist entscheidend, das Wochenende zu planen.
Ratschläge von erfahrenen Leuten sind ein schneller Weg
zu besten Ergebnissen. Versuchen Sie, Internet-Foren zu
nutzen, um Hilfe von erfahrenen Fotografen zu bekommen.
Das Wetter war typisch für die Eifel – Regen, Sonne,
Schnee, noch mehr Regen, usw. Unter solch schwierigen
Umständen ist es notwendig, Ihre Investitionen in
Kameras und Objektive zu schützen. Heutzutage sind
Kameras und Objektive guter Qualität schon recht robust.
Unter solch schlechten Bedingungen wird aber zusätzlicher
Schutz benötigt, wobei die Lösungen von Müllbeuteln bis
zu maßgeschneiderten Schutzhüllen wie die von Aquatech
oder Tenba reichen.
Tipp: Wenn Sie ein langes Objektiv und ein Einbeinstativ
nutzen (was ich bei Objektiven über 300 mm immer
vorschlage), können Sie als billige Lösung die Hose eines
Regenanzugs nutzen – ein Bein für das Objektiv, das
andere für das Stativ und Zugang zur Kamera von oben.
Das ist Einfach und effektiv.
Den nächsten Monat verbringen wir hauptsächlich in Le
Mans, und ich zeige Ihnen, wie Sie die Story eines der
berühmtesten Rennen mit oder ohne Zugang zur Strecke
einfangen.
John Brooks, Juni 2005
John Brooks verwendet:
Kameras
Canon 1D ll
Canon 1Ds ll
Objektive (alle von Canon)
16-35mm f2.8
24-70mm f2.8
70-200mm f2.8
300mm f2.8
500mm f4.0
Massenspeicher
Eine Auswahl von Karten der Systeme Compact Flash,
Microdrive und Secure Digital von insgesamt 14 GB.
PC
Sony S2XP laptop
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