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Zugang zu Boxengasse, Rennstrecke, Media- Center…Teil 3

Für jeden Sportwagen-Fan dominiert das Rennen den Juni, bei dem es in Frankreich zweimal rund um die Uhr geht – die 24 Stunden von Le Mans.

In diesem Jahr war alles noch mehr auf den Monat Juni konzentriert, da die Testtage nicht wie üblich Anfang Mai, sondern erst zwei Wochen vor dem eigentlichen Rennen stattfanden, um sich mit den Bedürfnissen der American Le Mans Serie und deren Fahrer abzustimmen. Als Ergebnis dieser Regelung verbrachten alle, die an der Veranstaltung mitarbeiteten, zwischen 12 und 14 Tagen in der Region.

Daraus folgt sorgfältige Planung als erste Notwendigkeit für jedes Shooting (ganz nach der Regel meines Kollegen David Lister "Planung schützt vor schlechter Ausführung"). Das ist unentbehrlich, egal, ob Sie eine Veranstaltung wie Le Mans als Profi, Semi-Profi oder begeisterter Amateur besuchen.

Der Planungsprozess umfasst auch Themen, die nichts mit der Fotografie zu tun haben, wie Anreise, Unterbringung und Ähnliches. Da diese Bereiche von Webseiten wie z.B. www.clubarnage.com oder www.beermountain.com in allen Details abgedeckt werden, will ich darauf nicht weiter eingehen.

Tipp:
Die zwei Hauptpunkte der Planung werden die Ausrüstung und die Frage sein, wann und wo man anfangen soll, Bilder zu machen. Für jemanden wie mich ist die Frage einfach, was man benötigt: Alles – und wenn möglich mit Ersatz. Für diejenigen, die die Veranstaltung nicht nur als Fotograf genießen möchten, ist es wichtig, nur die wirklich notwendige Ausrüstung mitzubringen. Das schwere Stativ für Nachtaufnahmen mit langer Belichtung scheint zuerst eine gute Idee zu sein. Wenn man es aber einige Stunden herumgetragen hat, scheint der Nutzen im Vergleich zum Aufwand eher klein. Die Botschaft lautet also: Keep it simple. Ein Gehäuse, zwei Objektive (Weitwinkel und Tele) aber genügend Speicher und Ersatzbatterien.

Diese Auswahl an Equipment passt außerdem gut zu den Themenbereichen, die der Öffentlichkeit zugänglich sind. Aufgrund von Versicherungsauflagen und Sicherheitsbestimmungen sind Schutzzäune und ein größerer Abstand zur Strecke feststehende Fakten. Akzeptieren Sie das also, und planen Sie entsprechend. Es hat keinen Sinn, zu versuchen, die gleichen Ergebnisse wie die zu erzielen, die am Streckenrand Nahaufnahmen von den konkurrierenden Autos machen. Das Einfangen der Rennatmosphäre sollte aber möglich sein, ob Sie nun Fotograf mit Presseausweis sind oder nicht. Es braucht nur Fantasie und ein gutes Auge...

Tipp: Während der Le Mans-Woche gibt es für die Öffentlichkeit viele Gelegenheiten, auf eine Art nahe an die Autos und ihre Fahrer zu kommen, die es in der Formel Eins schon lange nicht mehr gibt. Die technische und verwaltungstechnische Abnahme findet Montags und Dienstags in der Stadtmitte statt. Jedes Team muss sich hierzu mit Auto und Fahrern präsentieren. Das ist der ideale Zeitpunkt, so viele Detailaufnahmen, wie benötigt und alle wichtigen Porträtaufnahmen der Fahrer zu bekommen (und natürlich das eine oder andere Autogramm). Auch am Freitagabend ist wieder Fotografieren angesagt, wenn die Fahrerparade durch die Straßen zieht. An den Tagen vor dem eigentlichen Rennen gibt es häufig Zugang zur Boxengasse, wo man weitere Nahaufnahmen und Kontakt mit den Teams bekommt.

Ich hatte das Vergnügen, zusammen mit Top-Fotograf David Lester am Le Mans-Rennen 2005 zu arbeiten. Wir haben viele Stunden bei ein paar Bieren damit verbracht, auszuarbeiten, was wir wann und wo tun werden. Im Mittelpunkt stand aber eine Liste von Kriterien, die ich mir in all den Jahren erarbeitet habe, seit ich Le Mans verfolge.

Tipp: Meiner Meinung nach gibt es fünf Themen, die als absolutes “Muss” in Le Mans erledigt werden müssen:

·

Start

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Atmosphäre

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Sonnenuntergang

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Sonnenaufgang

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Zieleinlauf


Der Start ist jedes Jahr so ziemlich der gleiche – die Rennautos mit den vollen Tribünen im Hintergrund. Ein typisches Le Mans-Motiv war früher die Aufnahme vom Fuß des Hügels an der Bergab-Passage von der Dunlop-Brücke zur Esses. Von der Motorrad-Lobby geforderte Modifikationen wurde dieses Motiv eliminiert. So bleibt als “Geldbringer” nur das Motiv Tribüne, Getümmel und die Führenden. Aber auch etwas so einfaches erfordert Nachdenken. Da es nur wenig Platz für alle Fotografen gibt, gilt, wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Stellen Sie sich darauf ein, ein oder zwei Stunden an der gewünschten Stelle in der Sonne zu stehen. Auch die Wahl zwischen Quer- und Hochformat muss bedacht werden – entsprechend Ihrem Auftrag.

Tipp: Für diejenigen ohne Presseausweis, die den Zäunen irgendwie aus dem Weg gehen können, sind Weitwinkel- Aufnahmen am besten geeignet, da diese ein Gefühl für die Menschenmassen und die Größe der Anlage vermitteln. Oder Aufnahmen der Autos, bevor diese zur Aufwärmrunde starten. Andere Themen könnten z.B. Gesichter in der Menge oder die guten alten Hawaiian Tropic Girls sein.

Atmosphäre einzufangen ist leicht gesagt, aber schwer umzusetzen. In Le Mans passiert so viel, dass es schwierig ist, die Stimmung dieses Events einzufangen. Aber es ist der Mühe wert. Es ist effizient, die Landschaft zu nutzen, wo die Rennstrecke auch über öffentliche Straßen führt. Die benötigte Zeit, um jeden Punkt zu erreichen, sollte gut kalkuliert  sein. Die hilfreiche Gendarmerie wird im System aus Einbahn-strassen immer erfindungsreicher.

Tipp: Die verschiedenen Paraden etc. bieten Chancen für Aufnahmen abseits vom Geschehen. Man wird zwar keinen Fernando Alonso antreffen, wie er am Freitag vor einem Rennen in einem Oldtimer posiert, aber man trifft Tom Kristensen, wie er den Fans zuwinkt und richtig glücklich wirkt. Auch die Menge beteiligt sich mit so bizarren Gruppen wie der “Chopper Display Squadron” und den “Red Sparrows”. Bier und Exhibitionismus gehen Hand in Hand, und niemand erwartet etwas anderes.

Der Sonnenuntergang ist ein kritischer Moment – das Licht taucht alles in eine angenehme Stimmung, die alle Bilder gesättigt und warm erscheinen lässt. Dieses Jahr habe ich entschieden, einmal zu testen, wie sich Digitalkameras mit ihrer Fähigkeit, auch Details im Schatten einzufangen, bei Aufnahmen in die untergehende Sonne schlagen. Die Ergebnisse haben mich gleichermaßen erfreut und beeindruckt.

Der Sonnenaufgang ist ein ähnlich schwieriger aber wichtiger Zeitpunkt, das Geschehen festzuhalten. Man muss die Zähne zusammenbeissen, um den Hügel zur Dunlop-Brücke auch nach einer Woche Fotografierens noch mit der gesamten Ausrüstung hochzuklettern. Die Belohnung war ein herrlicher Sonnenaufgang - also keine Ausflüchte in diesem Jahr! Im Gegensatz zu früher fallen Gegenlichtaufnahmen heute leichter, da man das Ergebnis im Display der Kamera sofort kontrollieren kann und nicht auf die entwickelten Filme warten muss. Kleinere Anpassungen können deshalb sofort vorgenommen werden.

Tipp: Um die Fähigkeit der Kameras auszunutzen, Details im Schatten festzuhalten, variieren Sie die Belichtung. Das hat zwar mehr mit Gefühl als mit Wissenschaft zu tun, funktioniert für mich aber sehr gut.

Sonnenuntergang und Sonnenaufgang sind deshalb so wichtig, weil sie für 24 Stunden Rennen einzigartig sind und einen starken visuellen Eindruck der wechselnden Bedingungen geben, denen die Fahrer ausgesetzt sind.

Ich musste während des diesjährigen Rennens für einen meiner Zeitschriften-Kunden eine große Menge an Bildern vorbereiten und senden, die Sonntags um 18:00 Uhr auf deren Leuchttisch zu liegen hatte – nur zwei Stunden nachdem die Zielflagge geschwenkt war. Nach der Freude, einen richtigen Sonnenaufgang zu fotografieren, kam die Plackerei, hundemüde auf einen Bildschirm zu starren und tausende von Bildern zu bearbeiten. Aber der Zweck meines Aufenthalts in Frankreich war nun einmal, meine Bemühungen in Geld umzuwandeln, was - wie bei jedem Geschäft - nur geschehen kann, wenn das Produkt beim Kunden abgeliefert ist. Also Schluss mit dem Gejammer, und anfangen, die Bilder zu bearbeiten!

Aufnahmen der Zieleinfahrt sind in Le Mans immer besonders wichtig. Mit Tom Kristensen, der den letzten Stint im Sieger-Audi zum absoluten Rekord von sieben, ja SIEBEN, Gesamtsiegen im 24 Stunden Rennen von Le Mans fährt, wird der Siegergruß von 2005 wirklich bedeutungsvoll. Das Problem ist, es richtig hinzubekommen. Die Audi-Siege von 2000, 2001 und 2003 wurden von TK’s Teamkollegen Emanuele Pirro stilvoll zelebriert, während Seiji Ara, der Sieger von 2004, mit Vollgas über die Linie gerast ist und die meisten Fotografen mit leeren Händen stehen ließ. Was macht Tom?

Es gibt zudem weitere tolle Motive von den Teams, die die Boxenmauer belagern, um jedem Auto, das ins Ziel kommt, ihren Respekt zu erweisen. Also legt man los und versucht, das ganze Geschehen auf einmal zu erfassen. Ich habe es geschafft, den Zieleinlauf so festzuhalten, dass ich damit zufrieden war. Dann habe ich mein 500 mm-Tele wie ein Derwisch herumgewirbelt, um gleichzeitig das Geschehen auf der Strecke und unter den Teams einzufangen.

Weitere 24 Stunden von Le Mans, Nummer 26 nach meiner letzten Zählung, sind vorbei. Ganz ohne Zweifel das größte Rennen der Welt – zum Anschauen, Teilnehmen oder Fotografieren.

John Brooks, Juli 2005


John Brooks verwendet:

Kameras
Canon 1D ll
Canon 1Ds ll

Objektive (alle von Canon)
16-35mm f2.8
24-70mm f2.8
70-200mm f2.8
300mm f2.8
500mm f4.0

Massenspeicher
Eine Auswahl von Karten der Systeme Compact Flash, Microdrive und Secure Digital von insgesamt 14 GB.

PC
Sony S2XP laptop


Mehr Bilder von John Brooks finden Sie unter: www.SportsCarPros.com

© John Brooks, 2005 (Alle Bilder)

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